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August 2026
Der Börsengang erfolgte im Jahr 2000. Über viele Jahre war Marvell vor allem für Speichercontroller und Netzwerkchips bekannt. Durch mehrere Übernahmen wurde das Geschäft jedoch grundlegend verändert. Besonders wichtig waren die Akquisitionen von Cavium und Inphi. Dadurch stärkte Marvell seine Position bei Netzwerkprozessoren, optischen Datenverbindungen und Rechenzentren.
Heute konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf die sogenannte Data Infrastructure. Dazu gehören Chips und Technologien, mit denen enorme Datenmengen innerhalb moderner Rechenzentren transportiert, verarbeitet und gespeichert werden können. Genau hier profitiert Marvell massiv vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur.
Denn für Künstliche Intelligenz werden nicht nur die bekannten Grafikprozessoren von Nvidia benötigt. Zehntausende oder sogar Hunderttausende KI-Beschleuniger müssen innerhalb großer Rechenzentren miteinander verbunden werden. Je größer diese KI-Cluster werden, desto wichtiger werden schnelle Netzwerkverbindungen, optische Datenübertragung und spezialisierte Chips. Marvell liefert zahlreiche Komponenten für genau diese Infrastruktur.
Ein zweiter großer Wachstumsbereich sind kundenspezifische KI-Chips, sogenannte Custom Accelerators oder ASICs. Große Cloudkonzerne wollen neben Nvidia-GPUs zunehmend eigene Prozessoren entwickeln, die exakt auf ihre Anwendungen zugeschnitten sind. Marvell unterstützt seine Kunden bei der Entwicklung solcher Chips und könnte damit zu einem der wichtigsten Konkurrenten von Broadcom in diesem Markt werden.
Wie stark der KI-Boom inzwischen das Geschäft verändert, zeigen die Ende August veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Marvell erzielte einen Rekordumsatz von 2,74 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 37 Prozent.
Besonders beeindruckend entwickelte sich das Geschäft mit Rechenzentren. Der Data-Center-Umsatz stieg um 46 Prozent auf rund 2,17 Milliarden Dollar und machte damit bereits 79 Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus. Nur ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 74 Prozent. Marvell wird damit immer stärker zu einem direkten Profiteur der weltweiten Investitionen in KI-Rechenzentren.
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Auch beim Gewinn macht das Unternehmen Fortschritte. Der bereinigte Gewinn erreichte 94 Cent je Aktie. Auf GAAP-Basis verdiente Marvell 308 Millionen Dollar beziehungsweise 33 Cent je Aktie. Gleichzeitig erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Cashflow von mehr als 600 Millionen Dollar.
Noch wichtiger als die aktuellen Zahlen ist jedoch der Ausblick. Für das laufende dritte Quartal erwartet Marvell bereits rund 3,15 Milliarden Dollar Umsatz. Das Management geht davon aus, dass sich das Wachstum im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres sogar noch beschleunigen wird.
Deshalb wurden auch die längerfristigen Prognosen erneut angehoben. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Marvell inzwischen rund 12 Milliarden Dollar Umsatz. Im darauffolgenden Geschäftsjahr sollen es bereits etwa 18 Milliarden Dollar werden. Noch im vorherigen Quartal lagen die entsprechenden Erwartungen bei 11,5 beziehungsweise 16,5 Milliarden Dollar.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die außergewöhnlich starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Nach Angaben des Managements sind die Auftragseingänge im KI-Bereich weiterhin sehr robust. Neben den Netzwerk- und Connectivity-Lösungen soll insbesondere das Geschäft mit kundenspezifischen Chips in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres deutlich an Dynamik gewinnen.
Zusätzliche Fantasie liefert die Zusammenarbeit mit Alphabet beziehungsweise Google. Marvell hat einen langfristigen Großauftrag für kundenspezifische Chips erhalten, dessen potenzielles Volumen bis 2033 auf bis zu 120 Milliarden Dollar beziffert wird. Allerdings dürfte ein großer Teil dieser Umsätze erst ab dem Geschäftsjahr 2029 anfallen.
Genau dieser zeitliche Abstand sorgte nach den aktuellen Quartalszahlen für Ernüchterung an der Börse. Obwohl Marvell Rekordzahlen präsentierte und seine Prognosen erhöhte, geriet die Aktie deutlich unter Druck. Anleger hatten offenbar darauf gehofft, dass sich der neue Großauftrag bereits wesentlich früher stärker in den Geschäftszahlen bemerkbar macht.
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Demo anfordernDas zeigt gleichzeitig das größte Risiko der Marvell-Aktie. Der Kurs hat vom KI-Boom bereits enorm profitiert und entsprechend hoch sind inzwischen die Erwartungen. Marvell muss nicht nur wachsen, sondern die hohen Wachstumsprognosen möglichst übertreffen. Verzögerungen bei einzelnen Großprojekten können deshalb erhebliche Kursbewegungen auslösen.
Strategisch hat sich das Unternehmen zuletzt noch stärker auf seine attraktivsten Märkte konzentriert. Das Automotive-Ethernet-Geschäft wurde bereits 2025 für 2,5 Milliarden Dollar an Infineon verkauft. Dadurch konzentriert sich Marvell stärker auf Rechenzentren, KI-Infrastruktur, Netzwerktechnik und kundenspezifische Halbleiter.
Für die kommenden Jahre könnte genau diese Fokussierung entscheidend werden. Je mehr Geld Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und andere Technologiekonzerne in KI-Rechenzentren investieren, desto größer wird nicht nur der Bedarf an GPUs. Auch Netzwerkchips, optische Verbindungen und speziell entwickelte KI-Prozessoren werden benötigt.
Marvell befindet sich damit in einer interessanten Position innerhalb des KI-Booms. Das Unternehmen konkurriert nicht unmittelbar mit Nvidia um die dominierende GPU, sondern verdient zunehmend an der Infrastruktur rund um die KI-Chips und an der Entwicklung kundenspezifischer Prozessoren.
Die aktuellen Quartalszahlen unterstreichen diese Entwicklung eindrucksvoll: 2,74 Milliarden Dollar Rekordumsatz, 46 Prozent Wachstum im Data-Center-Geschäft und eine auf rund 18 Milliarden Dollar angehobene Umsatzprognose für das kommende Geschäftsjahr zeigen, wie stark sich Marvell derzeit verändert. Für die Aktie dürfte entscheidend sein, ob das Unternehmen seine ambitionierten KI-Projekte tatsächlich in die erwarteten Milliardenumsätze umwandeln kann. Gelingt dies, könnte Marvell langfristig zu einem der wichtigsten Halbleiterunternehmen hinter dem weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur werden.
Die Aktie reagierte zunächst negativ, doch ist dies eine Chance? Für eine weitere Beurteilung prüfen wir das Chartbild im zweiten Teil der Aktienanalyse.
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